Pseudonym – sinnvoll oder nicht?

Eine Frage die mich eine ganze Weile umgetrieben hat war “Nutze ich meinen Namen oder doch ein Pseudonym, einen Künstlernamen?” Es gibt unterschiedliche Motivationen für einen Künstlernamen und damit natürlich auch unterschiedliche Vor- und Nachteile. Einen Überblick habe ich hier zusammengestellt.  

Die häufigste Motivation ist vermutlich irgendwo in dem Bereich ‘Anonymität’ zu finden.

Viele Menschen schreiben und haben außerdem noch einen “richtigen” Beruf. Das heißt nicht, dass sie das schreiben nicht ernst nehmen, sondern eher dass sie a) davon nicht leben können oder b) es nicht zu ihrem Haupteinkommen machen wollen. Unabhängig davon, warum Du “nebenher” schreibt, kann es manchmal einfach sinnvoll sein, die beiden Tätigkeiten strikt voneinander zu trennen. Kindergärtner und erotischer Schriftsteller, Finanzberaterin und Krimiautorin, oder einfach nur passionierte Schreibende und Nachbarn.. manchmal willst Du vielleicht schlicht und einfach nicht jeden Tag erklären müssen, dass Schreiben und Realität zwei verschiedene Dinge sein können.

Es lohnt sich an dieser Stelle allerdings der Frage nachzugehen, ob das Schreiben der weiteren beruflichen/persönlichen Planung nicht vielleicht auch helfen kann. Wenn ein Schritt in einen neuen (vielleicht lehrenden oder kreativen) Beruf geplant ist, sieht eine Publikationsliste vielleicht gar nicht so schlecht aus. Wenn das angestrebte Werk eher in Richtung Sachbuch geht, schadet es vielleicht nicht unbedingt, ein wenige Kompetenz im beschriebenen Feld zu zeigen.

Allen die durch Anonymität motiviert sind, unter einem Pseudonym zu schreiben, muss außerdem klar sein, dass diese in der Regel begrenzt ist. Verlage respektieren Pseudonyme, wollen aber wissen, wer hinter dem Namen steht. Dafür gibt es ganz praktische Gründe: Bankkonten können nur mit Identitätsnachweis eröffnet werden, und irgendwo sollte das Geld für die viele Arbeit ja hinfließen. Beim Unterzeichnen eines Vertrages zu behaupten jemand anderes zu sein, birgt durchaus rechtliche Probleme. Diese Liste kann noch fortgeführt werden. Wer also hofft durch ein Pseudonym Schutz vor Repressionen zu erreichen (weil in Deinem Land die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist, oder weil Du Staatsgeheimnisse preis zu geben gedenkst) muss hier enttäuscht werden. Ein Pseudonym ist nicht mit einer neuen Identität zu verwechseln. Denn Dein Verlag ist keine Hochsicherheitseinrichtung – wenn Angestellte hier wissen wer du bist, dann wissen es im Zweifel auch Andere.

Weitere Gründe sind in dem vielfältigen Bereich “Marketing” zu finden.

Wenn Du in zwei sehr verschiedenen Genres schreibst (z.B. akademisch und populär), kann sich eine Trennung durch ein Pseudonym anbieten. Meiner Meinung nach lohnt sich aber auch hier die Frage, ob die eigene Vielschichtigkeit nicht etwas positives ist, für das Du wahrgenommen werden willst.

Ein anderer Grund kann sein, dass der eigene Name sehr lang und kompliziert ist oder schlicht nicht zum Thema passt. Das gilt zum Beispiel für Namen die auch noch ein Wort sind. (Herr Baum schreibt über Forstwirtschaft – das klingt nicht wirklich nach einem Sachbuch). Nicht alle Themen und auch nicht alle Namen sind für einen kleinen Scherz geeignet. (Es gibt sie ja, die Göbbels, Mussolinis, etc.) Leider ist es auch heute noch so, dass in bestimmten Genres männliche, bzw. weibliche Namen von den Käufer*innen besser angenommen werden. Romantik ist weiblich und Fantasy männlich – dadaa.. welch Überraschung. Natürlich kannst Du fast alles versuchen um dein geliebtes Werk unter die Menschen zu bringen, ob Du dabei allerdings wirklich in diese Art von Stereotypen spielen willst, solltest Du Dir gut durch den Kopf gehen lassen.

Eine eher seltene, aber nicht ausgeschlossene, Situation ist, dass unter Deinem Namen bereits geschrieben wird – in diesem Fall kann es sich wirklich lohnen, den eigenen Namen zu modifizieren oder gleich einen ganz neuen Namen zu wählen.

Schlussendlich gibt es noch eine letzte Motivation: Laune. Es kann durchaus sehr spannend sein, nach einem passenden Namen zu suchen. Ein paar Tage den Klang von ganz neuen Namen vor sich hin sagen, eine neue Unterschrift ausprobieren – das kann zu einem richtigen Hobby werden. Es ist schließlich legitim die Chance zu nutzen und vielleicht mal das Geschlecht zu wechseln oder irgendwie ganz geheimnisvoll zu klingen.

Allerdings ist ein klein wenig Vorsicht geboten. Irgendwann gibt es ja vielleicht mal eine Lesung, oder ein Interview und dann können begeisterte LeserInnen durchaus irritiert sein, wenn Frau Müller gar nicht Frau Müller ist. Theoretisch kann ein Pseudonym natürlich jeder Zeit wieder abgelegt werden, praktisch ist das jedoch etwas komplexer, denn es stellt einen Bruch im Resumee dar und wenn das Pseudonym einen Kreis von Fans und Anhänger*innen hat, ist es ärgerlich diese wieder zu verlieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s